Fallschirmspringen lernen aus der Pink Skyvan .
Ja, das ist ja ganz normal.
Das war der verblüffendste Ausspruch der interessantesten Frau, die ich je kennengelernt habe. Der Ort dieses Ausspruches war für sie auch ganz normal.
4000 Meter über dem Boden, an der Türe der Pink Skyvan mit einem Fallschirm am Rücken. Und die Antwort bekam ich auf die Frage, ob ich da jetzt wirklich hinausspringen soll. Ja, das ist ja janz normal!
Uschi Wagner, 24, 2000 Sprünge, Halterin der Weltrekords im Formationsspringen. Auf die Frage nach ihrem Beruf weiß sie keine Antwort. Naja, Sprunglehrerin, eine Zeitung macht sie, den Laden des Vaters schupft sie mit ihrem Bruder gemeinsam, Ballonfahren macht sie auch ein bisserl. Aber so genau weiß sie das nicht, was sie ist. Jedenfalls macht Ihr das Leben einen Riesenspaß, vor allem wenn sie - auch mit mir was für ein Kompliment – im Flieger sitzt, und den Sprungablauf noch einmal durchgeht. Und wenn ich im Flieger im Steigflug noch alles weiß, dann wird es ein „Fun-jump“
Ich habe irgendwann einmal ein fetziges Plakat mit einem Skysurfer am blauen Himmel gesehen, als einziger Text war www.fallschirmspringen.at drunter. Als Webdesigner wurde ich neugierig, sicher ein gutes Thema, sicher lässige Bilder. Die Seite könnte man sicher schöner gestalten, aber nicht informativer. Mit jedem klick wurde ich neugieriger. Alles da, der Ablauf der Ausbildung, Anmeldeformular, ob das auch wirklich funktioniert? Obwohl eigentlich eh alles auf der Website steht, hab ich einmal angerufen. Nach 20 Minuten war Ich überzeugt von dem, was ich eigentlich gar nie wirklich wollte. Aus einem Flugzeug springen.
Ein knapper Tag Theorie, Fallschirmspringen ist ja so einfach. Wie der Schirm funktioniert, wie man ihn steuert, Freifall, sind die Themen. Der große Brocken sind die Notverfahren. Was passiert, wenn der Schirm nicht aufgeht. Im sogenannten Gear, wie die Profis Ihre Ausrüstung nennen, ist auch ein zweiter Schirm. Gleich groß, gleich gut. Und der funktioniert immer. Man muß ihn nur öffnen. Schirm öffnen, immer , in der richtigen Höhe, und immer selbst. Das ist das, was ich am meisten höre. Natürlich sind da noch 2 Lehrer mit, und ein kleiner Computer der den Reserveschirm aktiviert, wenn alles schief gehen sollte, aber das ist nicht das Thema. Immer selbst ist der Mann!
Also, da stehe ich nun in der Türe, alles ganz normal, alles ganz relaxed, nur ich nicht. Uschi lächelt mir zu, Daumen nach oben. Up – down – Arch heißt das Exit-kommando. Das weiß ich noch. Links neben mir ist Wuzi, Uschis Bruder. 6000 Sprünge, und immer ein lächeln. Auch Daumen nach oben, „ geht schon!“
UP – DOWN – ARCH…. Der Absprung in 4000 meter tiefe ist alles andere als normal, liebe Uschi! Und dann folgen die geilsten 50 Sekunden meines Lebens. Ganz normal ist das nicht, aber es ist genauso wie uns gesagt wurde. Ich höre wie wir immer schneller werden. 200 km/h sollen wir nach 7 Sekunden erreichen, aber das sollen nicht meine Gedanken sein. Ein festgelegtes Programm liegt vor mir. Höhenkontrolle, Blickkontakt zu den Lehrern, Aufziehübung. Mit der rechten Hand soll ich den Griff für die Schirmöffnung finden. Hundert mal am Boden geübt, jetzt im Freifall gibt es ordentlich Adrenalin! Der Griff ist nicht da! Ich spüre Uschis Hand, wie sie meine nimmt und zum Aufziehgriff führt. Bein zweiten Versuch finde ich ihn schon selbst. Höhenkontrolle, 3600 Meter! Blick zu meinen Sprunglehrern, beide geben mir einen big smile, alles in Ordnung heißt das. Alle 5 Sekunden Höhenkontrolle, das haben sie mir eingetrichtert. Zwischen durch habe ich Gelegenheit, den Ausblick über den Böhmerwald zu genießen. Jetzt kommt das Handzeichen für Becken vor von Uschi, hat sie mir eh gesagt, daß ich da nachlassen werde. Die Zeit vergeht unheimlich schnell, wir fallen durch 2000 Meter, um den beiden anzuzeigen daß ich den Höhenmesser in 2000 richtig abgelesen habe, schüttle ich den Kopf. Jetzt geht es ans Schirmöffnen. Ruhe bewaren! Hieß es immer in dieser Phase beim Bodentraining, du hast genug Zeit, keine Hektik. Tatsächlich, der Griff ist noch immer da, herausziehen, und über die Schulter schauen, wie der Schirm aufgeht. Die beiden Lehrer sind noch immer ganz dicht bei mir, wie beruhigend! Die Schirmöffnung ist ein Riesen Ruck! Von 200 auf 10 in weniger als 1 Sekunde, der Schirm ist offen! GEIL! Die Steuerleinen sind schnell gefunden, die Steuerung ausprobiert. Geht ja wirklich so einfach wie beim Bodentraining. Hier ist ja der Flugplatz, Klatovy in Tschechien, im Böhmerwald. Der Schirm hat eine Vorwärtsfahrt von knapp 20 km/h, ich steuere zur Landezone. Höhenmesser, noch 200 Meter, fast alles funktioniert so wie ich dachte, aber irgendwo habe ich mich verschätzt. 200 vor dem Landepunkt eine Butterweiche Landung! Schirm aufnehmen, Uschi und Wuzi erwarten mich schon vor der Packhalle des Pink Hauses. Schirmpacken brauche ich die ersten zehn Sprünge nicht, erst dann ist das am Programm. Ein Umfangreiche Debrief klärt mich über alles auf, was so passiert ist. Fazit, tatsächlich, es war ein Fun Jump für die beiden, sie mußten nirgends eingreifen. Das ich beim ersten Versuch den Griff nicht gleich finde, ist ja ganz normal, das hat jeder.
Am Ende bekomme ich noch einen kurzen Überblick, was mir beim nächsten Sprung ins Haus steht: Drehungen, Vorwärtsfahrt, wieder mit beiden Lehrern. Eigentlich wollte ich ja nur einen Schnuppersprung machen. Bein Erledigen der Formalitäten zur Gesamtausbildung ist wieder alles ganz normal. Uschi sagt mir, es hätte noch keinen einzigen gegeben, der nach einem Schnuppersprung nicht weitergemacht hätte. Das glaube ich ihr sogar, das ist ja ganz normal.
Uschi ist Sprunglehrerin im Intl. Pink Parachute Club. Ausbildung erfolgt das ganze Jahr, genaue Termine und Preise, sowie alle Lernunterlagen im
www.fallschirmspringen.at oder telefonisch (01) 8898 222.
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