Tozeur
– Boogie – 2004 aus der Sicht eines kleinen Zauberers ...„Das müssen sie sein ... “, sagte ich zu meiner Mutter, als wir die
bummvolle Abflughalle am Schwechater Flughafen betraten. Woher ich das wusste?
Ganz einfach erklärt...
wenn man sich die online-Tagebücher der letzten Jahre durchgelesen hat, dann
fand man in jedem zweiten Satz mindestens dreimal das Wort „Bier“. Na ja,
und in der Halle waren das die einzigen mit einem Krügerl in der Hand. Wie auch
immer, die Begrüßung war herzlich und wir „Schüler“ wurden auch gleich in
dir Sky-Dive-Gemeinschaft aufgenommen.
Ich durfte sogar alle gleich duzen ... HiHi. Während die anderen angehenden
Freeflyer und Relativspringer sich mit einem Bier gleich einlebten, habe ich
versucht von meinem chronischen Anit-Alkoholismus mit einem Kartenkunststück
abzulenken.
Unsere Zwischenlandung in Richtung Tozeur war so wie jedes Jahr in Tunis...
einziger Unterschied, wir hatten soviel Verspätung, dass unser Anschlussflug
ganz einfach ohne uns abhob und wir gezwungen waren eine Nacht in der
Tunesischen Hauptstadt zu verbringen. Während die meisten sich über einen
verlorenen Sprungtag ärgerten (der nächste Flug ging erst am nächsten Tag um
18.00 Uhr), war es für die „Schüler“ nicht allzu schlimm. Master
„Wolf“ scheuchte uns bereits um 9 in der Früh aus dem Bett und ging die
Theorie der Erstsprungeinweisung durch. Spätestens ab dem Kapitel „Öffnungsstörungen“,
sind die ersten skeptischen Blicke gesichtet worden. Doch die Vorfreude auf
unser Wüsten-Abenteuer ließ jegliche Zweifel verschwinden.
Des Nächtens waren wir dann endlich in unserem 4-Sterne-Hotel und wurden
herzlichst von der Pink-Crew und all den Coaches empfangen. Uschi stand ganz
fleißig bei der Rezeption und checkte die reibungslose Zimmereinteilung.
Auffallend waren die überraschten Blicke der routinierten Tozeur-Springer, als
sie das Hotel betraten. Anscheinend wurde einiges seit letztem Jahr zum
Positiven verändert, und jeder von ihnen protze, dass dieser Brunnen, das
Indoor-Pool, usw.usw., mit seinem ganz persönlichen Bierkonsum bezahlt wurde.
Zuerst verstand ich das nicht wirklich, aber spätestens 5 Minuten nach unserer
Ankunft standen fast alle an der Bar und bestellten ... na klar – Bier! Spätestens
dann war mir klar, wie sich das Hotel den vierten Stern hat leisten können.
Am nächsten Morgen war es endlich soweit ... wir standen am Flugplatz, bekamen
unsere unvorteilhaft wirkenden Kombis, einen Höhenmesser, eine Brille, den Helm
und natürlich ein Gear... Wow, was für ein Gefühl – mit dem Gear am Rücken,
hat man doch glatt die Kombi wieder vergessen.
Während alle sich freudig bei 4.500m aus der Pink warfen, mussten wir „Schülerleins“
(wie Master „Wolf“ uns zu nennen pflegte) einmal die 3 Static-Line-Sprünge
aus 1.500m absolvieren. Im nachhinein gesehen waren das sicher die
unangenehmsten Sprünge. Wahrscheinlich lag es an den verkrampften kleinen Rückwärtsschritte
Richtung Luke, oder an den frech grinsenden Blicken der anderen Springer. Jeder
von uns „Anfängern“, bekam seine 2 AFF-Lehrer zugewiesen.
Auf mich waren alle neidisch, denn ich durfte meinen allerersten AFF-Level mit
Uschi und Andrea genießen. Versucht da mal stabil in der Luft zuliegen, wenn
die 2 mit ihrem süßen Lächeln 50 m/s neben dir fallen. Da soll sich einer auf
die Höhe konzentrieren und dann auch noch „pullen“. Grins... Schlussendlich
war es ein absolut erfolgreicher Sprung und ich schloss mich den anderen
freudigen Schülergesichtern mit einem breiten Grinsen an.
Die
Tage vergingen und ähnelten sich ziemlich: Während die Relativ-Springer immer
neue und kompliziertere Formationen von „Meister Skip“ lernten und die
Freeflyer Head-Down sau viel Spaß hatten, wurden wir von Level zu Level immer
mehr durch Drehungen, Salti und Tracken gefordert. Die Abende waren zwar nicht
sehr abwechslungsreich, aber dafür umso lustiger. Die Bar wurde beschlagnahmt,
ein großes Tischtuch diente als Leinwand und über den Pink´schen Projektor
wurden die „Oscar“ reifen Freifall-Videos des Tages gezeigt. Jetzt verstehe
ich erst den Witz: Wie viele Freeflyer braucht man um eine Glühbirne zu
wechseln??? Antwort: 5 – einer der wechselt und vier die´s filmen !“
Wenn die spektakulären Sit-Flys, Head-Downs, Trains, Rodeo-Reit-Spiele,
Schlauchboot-Stunts,
usw. usw. zu Ende gingen, waren alle ziemlich durstig und eine Bierrunde nach
der anderen wurde geschmissen. Das der Promille-Pegel wuchs, war mir persönlich
nicht unrecht, denn mit den Tagen ging mir mein Zauber-Repertoire langsam aber
sicher aus. Jeden Abend musste ich ran, (hat mir natürlich eh ur viel Spaß
gemacht), Karten verschwinden und an den unmöglichsten Stellen (verschlossene
Bierflasche – wo sonst !?! Grins) wieder erscheinen lassen, Ballone schlucken,
Uhren klauen, und und und... 
Ab 2 Promille hat die Show dann „Prosecco“ (wirklich mehr als talentiert),
„B-Man“ (der seine Trick-Einfälle prinzipiell in der Dusche hat) und
„Master Wolf“ (spielt niemals um Geld mit ihm, er zieht euch das letzte Hemd
aus) übernommen.
Wenn auch da die Ideen ausgingen, dann war ja immer noch das absolut geniale
Indoor-Pool. Bade-Shorts oder Bikinis??? Aber geh, nicht um 3 Uhr Früh ... ein
romantisch beleuchtetes Chlorwasser, Musik und natürlich einige Bierflaschen
reichten aus um jede Menge Spaß zu haben.
Trotz all dieser Nachtplätscherein im Pool und Bierglas war jeder rechtzeitig
beim Frühstück und freute sich auf den kommenden Sprungtag. Ok, ok ... ich geb
ja zu, die erste Load hab ich nie erwischt. 
Für Abwechslung am Sprungplatz sorgte nicht nur der Wind, sondern 2 Film-Teams,
die sich unserer illustren Truppe anschlossen. Die Einen drehten für VOX-Tours
einen Beitrag über Tozeur mit Schwerpunkt Fallschirmspringen. Die Anderen bemühten
sich einen Werbe-Spot für „Zewa – wisch und weg“ zu drehen. Nicht nur für
uns „Schüler“ waren die Werbefilmer ein bisserl mühsam
(die meisten Coache waren mit diversen Stunts beschäftigt), auch die arme Uschi
musste ihre Geduld mit einem unentschlossenen Regisseur unter Beweis stellen.
Als „Lara Croft“ verkleidet, was übrigens absolut heiß aussah, machte sie
einen Sprung nach dem anderen. Ein Bild für Götter war jedoch Uschi´s
Stunt-Man ... Thomas, der Pink-Chef persönlich zwängte sich in das
hautengeKostüm und sprang aus einem extra angemieteten Helikopter. Irgendwie übernahm
die ganze Film-Szene unsere Freifall-Crew: Uschi und Heiko flogen die
Freifallchoreographie, Thomas, Björn und Prosecco sprangen wagemutig aus dem
Helikopter und „Skip“ überzeugte als schwindelfreier Kameramann. Wie auch
immer ... nach zwei Tagen war die Szene im Kasten.
Es dauerte nicht lange, da hatten wir „Anfänger“ unsere AFF-Level
abgeschlossen und begannen unsere ersten Solo und Coach-Sprünge so richtig zu
genießen. Wir begangen teilweise bei Regina und Pavel packen zu lassen, um
soviel Sprünge wie möglich zu absolvieren. Am Ende wurden es bis zu 66 pro Schüler
in 2 Wochen. 
Die Tage wurden immer heißer, die Öffnungshöhe immer niedriger und der Spaß
immer größer. Aufregend und abwechselnd waren wie jedes Jahr die Außenlandungen
bei den Star-Wars-Kulissen mitten in der Wüste und in der Oase Chebika. Ein Spaß
war auch der improvisierte 4-Way-Speed-Star Wettbewerb. Jedes Team bestand aus
einem Relativ-Springer, einem Freeflyer, einem „Coach“ und einem „Schüler“.
Ui ui, da erwachte auf einmal der Ehrgeiz.
Nach jeder wunderschönen Sunset-Load wurde der Sprungtag am Flughafen mit
massig Bierpaletten, die uns unser Tunesischer Freund und Verpfleger Younes
organisierte, abgeschlossen. Ein bisschen geschlaucht, aber immer überglücklich
kehrten wir Tag ein Tag aus in unser Hotel zurück und freuten uns auf das
abendliche Buffet. Wow, das war echt gut... aber ganz oben auf der
Beliebtheitsskala stand sicherlich das sündhaft gute „Mousse aux chocolat“.
Jetzt frag ich Euch wirklich: Was gibt es genialeres als den ganzen Tag im
freien Fall den Alltags-Stress und die Probleme zu vergessen, sich die Sonne ins
Gesicht scheinen zu lassen und mit superlieben Freunden Spaß zu haben!?!
Doch alles Schöne ist einmal zu Ende und so war er plötzlich da - der letzte
Tag. Die letzten Loads wurden wie die restlichen Sonnenstrahlen ausgekostet,
kleinere Schirme wurden ausprobiert und unser Lager langsam aber sicher
abgebaut. Mit gemeinsamer Kraft und einem weinenden Auge wurde alles wieder in
der Pink verstaut. Während ganz Tunesien vor dem Fernseher saß und über den
Fussball-Triumph im Afrika-Cup jubelte, wurden wir „schonlangenichtmehrschüler“
getauft. Was heißt da getauft!?! Geprügelt ist wohl eher der richtige
Ausdruck. Denn ich verspürte keine einzig sanft und zärtliche Berührung auf
meinem empfindlichen (aber umso knackigeren... grins) Hinterteil. Wer immer auch
diesen Brauch ins Leben gerufen hat, hatte eindeutig ein Bier zu viel.
Nachdem wir den letzten Sonnenuntergang und das Abendessen im Hotel genossen
haben, standen wir vor der schwierigen Frage: „Machen wir durch, oder gehen
wir lieber
schlafen ?“ Eine berechtigte Frage, denn immerhin mussten wir um 4 in der Früh
wieder auf um unseren Flug nach Tunis zu erwischen. Ich weiß nicht wie viele
von uns durchmachen wollten, aber geschafft hat es keiner. Mit ganz kleinen,
verschlafenen und traurigen Augen verabschiedeten wir uns also am nächsten
Morgen von der Pink-Crew (die sich ebenfalls zu so früher Stunde mit der Pink
in Richtung Wien aufmachte) und hoben ab in Richtung Heimat.
Den obligatorischen 7-Stunden-Aufenhalt in Tunis verbrachten wir die ersten 3
Stunden in einem kleinen Cafe mit Croissants, Tee, Cafe und einem Fernseher. „Prosecco“
packte seine Kamera aus und wir ließen 14 Tage Freifall noch einmal revue
passieren. Nach einem kleinen Irrlauf durch den alten Bazar und einem
Bier-Toast-Snack trafen wir uns wieder auf dem Flughafen. So wie dieses
Abenteuer begonnen hatte, hat es auch geendet. Am Flughafen mit einem Bier. Umso
mehr wir uns schließlich Wien und dem Schneegestöber näherten, umso eher
wollten wir wieder Richtung Sahara umkehren. Alle verzweifelten Überredungsversuche
halfen jedoch nicht, der Pilot landete in Wien und wir mussten uns wieder dem
Winter und dem Alltag stellen. Aber was soll´s, es gibt ja sicherlich ein nächstes
Jahr.
Und wer sich dieses Abenteuer entgehen lässt ist selber schuld. Ich kann nur für
mich sprechen, aber die Erfahrungen die ich dort gesammelt, die Liebe die ich zu
diesem Sport entwickelt, die Freunde die ich dort gefunden und den Spaß den ich
dort gehabt habe ist und war einzigartig.
Ich hoff wir alle sehen uns beim Pink-Tozeur-Boogie 2005 !!!
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